Warum realistische Reinigungszeiten entscheidend sind
Realistische Reinigungszeiten bilden die Grundlage für verlässliche Angebote, eine faire Personaleinsatzplanung und die Einhaltung von Qualitätsstandards. Zu kurze Zeiten führen zu Überlastung und Reklamationen, zu großzügige Zeiten zu nicht wettbewerbsfähigen Preisen. Ziel ist es, belastbare Standardzeiten zu ermitteln, die sich im Betrieb reproduzieren lassen.
Grundbegriffe und Kennzahlen
Bevor Sie rechnen, sollten folgende Begriffe klar sein:
- Normzeit: Zeit für eine einzelne Tätigkeit unter definierten Bedingungen (z. B. WC-Reinigung, 1 Toilette inkl. Auffüllen und Kontrolle).
- Leistungskennzahlen: Flächenleistung (m²/min), Stückzeiten (z. B. 1 WC = x Minuten), oder Teilaufgabenzeiten (Staubsaugen pro Raum).
- Leistungsfaktor: Anpassung an Personalstand, Qualitätserwartung, Verschmutzungsgrad (z. B. 0,9 langsamer bis 1,2 schneller als Standard).
- Zuschläge/Puffer: Zeiten für Auf- und Abbau, Wege, Pausen, Materialnachschub und unvorhergesehene Tätigkeiten.
Methoden zur Zeiterfassung
Praktisch bewährt haben sich drei Ansätze, die Sie kombinieren können:
- Beobachtete Zeitstudien: Eine neutrale Person misst mit Stoppuhr oder App einzelne Tätigkeiten in mehreren Objekten. Vorteil: genau, aber zeitaufwändig.
- Praktiker-Aufzeichnungen: Reinigungskräfte protokollieren über einige Wochen ihre Zeiten je Objekt. Vorteil: leicht umzusetzen, liefert Praxiserfahrung.
- Vergleichswerte: Nutzen Sie branchenübliche Erfahrungswerte (m²-Leistung, WC-Zeiten) als Ausgangspunkt und passen diese vor Ort an.
Schritt-für-Schritt: So kalkulieren Sie eine Objektzeit
- Gliederung in Arbeitspakete: Zerlegen Sie den Ablauf in einzelne Tätigkeiten (Türen/Flure, Arbeitsplätze, Sanitär, Küche, Glasflächen, Müll).
- Ermittlung der Normzeiten: Messen oder schätzen Sie die Zeit pro Tätigkeit (z. B. 1 Büroarbeitsplatz abstauben = 1,5 min; 1 WC reinigen = 6 min).
- Multiplikation mit Mengen: Normzeit × Anzahl (z. B. 1,5 min × 20 Arbeitsplätze = 30 min).
- Berücksichtigung von Flächenleistungen: Für Bodenflächen können Sie m²/min verwenden (z. B. 400 m² zu fegen/kehren bei 1,2 m²/min = 333 min / wobei maschinelle Reinigung schneller ist).
- Zuschläge und Puffer: Rüstzeiten, Wege, Materialnachschub, Pausen und unvorhergesehene Tätigkeiten einrechnen. Üblich sind 10–20 % zusätzlich.
- Abgleich und Anpassung: Zeiten in der Praxis testen und nach zwei bis vier Einsätzen anpassen.
Konkretes Rechenbeispiel: Kleines Büro (500 m², tägliche Unterhaltsreinigung)
Aufgaben: Eingang, Flure, 10 Büroräume mit je 10 Arbeitsplätzen, 2 Toiletten, Teeküche. Beispielhafte Normzeiten:
- Büroarbeitsplatz abstauben/ordnen: 1,5 min/Platz → 1,5 × 100 = 150 min
- Staubsaugen Böden Büroräume (500 m² gesamt, inklusive Flure): 0,6 m²/min → 500 ÷ 0,6 = 833 min
- Sanitär (2 Toiletten): 2 × 6 min = 12 min
- Teeküche reinigen: 15 min
- Müll leeren/Handtücher nachfüllen: 20 min
Summe Normzeiten = 150 + 833 + 12 + 15 + 20 = 1.030 min ≈ 17,2 Stunden
Hinweis: Das Ergebnis zeigt, dass die Bodenleistung mit Handarbeit sehr zeitintensiv ist. In der Praxis verwenden viele Betriebe zur effizienten Reinigung von 500 m² einen Einscheiben- oder Kombimaschinen-Einsatz oder teilen das Objekt auf mehrere Kräfte.
Angenommen, zwei Mitarbeiter teilen die Aufgaben und nutzen eine Maschine, so sinkt die reine Reinigungszeit deutlich. Nach der technischen Anpassung und realistischen Messung könnte die endgültige Nettozeit je Mitarbeiter z. B. 4 Std. betragen.
Puffer und Zeitaufschläge sinnvoll einsetzen
Berücksichtigen Sie systematisch:
- Rüst- und Einrichtungszeiten: Gerätetransport, Aufbau, Entsorgen - 5–10 %
- Wegzeiten: Wege zwischen Räumen/Etagen - 5–10 %
- Sozialzeiten: Pausen, kurze Erholungszeiten - gesetzlich geregelt, betriebsüblich eingeplant
- Unvorhergesehenes: Reklamationen, besondere Verschmutzungen - 5–10 % je nach Objekt
Summiert ergeben sich häufig Zuschläge von 15–30 % auf die reine Arbeitszeit. Dokumentieren Sie, welche Zuschläge Sie verwenden und warum.
Leistungssteigerung durch Organisation und Technik
Praktische Hebel, um Zeiten zu reduzieren oder planbarer zu machen:
- Maschineneinsatz bei großen zusammenhängenden Flächen (Scheuersaugmaschine, Einscheibenmaschine).
- Standardisierte Checklisten für Wiederholungsaufgaben, damit Mitarbeiter effizient arbeiten.
- Gute Objektorganisation: Materialwagen, Nachschubpunkte, kürzere Wege.
- Schulung und Erfahrung: Regelmäßiges Training reduziert Zeitverluste bei Routineaufgaben.
Dokumentation, Kontrolle und Anpassung
Eine Zeitkalkulation ist kein einmaliges Dokument. Vorgehen zur Pflege:
- Führen Sie ein einfaches Zeitprotokoll pro Objekt über 4–8 Wochen.
- Vergleichen Sie Sollzeiten mit Ist-Zeiten und analysieren Sie Abweichungen.
- Passen Sie Normzeiten an veränderte Bedingungen (häufigere Nutzung, Personalwechsel, neue Maschinen).
- Binden Sie Mitarbeitende ein: Praktikerwissen identifiziert häufige Störfaktoren.
Abschließende Empfehlung
Starten Sie mit plausiblen Kennzahlen, messen Sie in der Praxis und dokumentieren Sie Anpassungen. So entsteht schrittweise ein belastbares System von Standardzeiten, das Angebotssicherheit, faire Personaleinsatzplanung und stabile Qualität möglich macht.
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